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Der Pullmann Streik

Der Pullman-Streik begann als wilder Streik am 11. Mai 1894, als etwa 50.000 Arbeiter der Pullman Palace Car Company im südlichen Stadtteil Pullman von Chicago, Illinois, ihre Arbeit verweigerten. Er weitete sich zum bis dahin größten Arbeiterprotest in der US-Geschichte aus. Nach rund zweimonatiger Dauer wurde der Ausstand blutig niedergeschlagen.

Die Pullman Company steuerte so fast jeden Aspekt des Lebens ihrer Arbeiter und übte eine Art „Schuldensklaverei“ aus. De facto mussten die Mieter beim Lohnvertrag bleiben, wenn sie beim Einkauf anschreiben ließen oder es sich nicht leisten konnten, ihren Arbeitgeber, der ja zugleich ihr Hauswirt war, zu wechseln. Die Mieten lagen wegen des Komforts der Ausstattung um ein Viertel über jenen in umliegenden Gemeinden. Miet- und andere Schulden wurden automatisch beim Gehaltsscheck abgezogen und etliche der Arbeiter sahen nur allzu oft nie ihren ganzen Lohn. Es wird ein Fall kolportiert, wonach ein Arbeiter für einen Monat Arbeit nach diesen Abzügen nur noch 2 Cent Einkommen auf dem Lohnstreifen sah.

Am 6. Juli steckten etwa 6.000 Revoltierende im Süden Chicagos 700 Eisenbahnwagen in Brand. Am 7. Juli 1894 wurden Gebäude der schon beendeten Weltausstellung 1893 am Jackson Park angezündet. Das Feuer brach auf dem Höhepunkt des Pullman-Streiks aus. Unter den Baulichkeiten, die Feuer fingen, waren die Halle der Ausstellungsleitung und die Ausstellungshallen für Fabrikation, für Elektrizität, für Mechanik, für Landwirtschaft sowie die Zugstation der Messe. Da Streikende andere Brände in dieser Woche legten, ist es möglich, dass unzufriedene Pullman-Beschäftigte auch dieses Feuer auslösten.

Am 2. August 1894 war der Streik beendet. Die Pullman Company nahm ihren Betrieb wieder auf, stellte aber Streikführer nicht ein. Die Beschäftigten mussten hinterher unterschreiben, sich nicht mehr gewerkschaftlich zu organisieren.

Folgen Des Streiks

  • Zur Zeit seiner Haft war Debs noch kein Sozialist. Im Staatsgefängnis las er jedoch die Werke von Karl Marx. Nach seiner Freilassung 1895 wurde er der führende Kopf der Sozialisten in Amerika. Er kandidierte fünfmal mit Unterstützung der American Socialist Workers Party für das Präsidentenamt, erstmals im Jahr 1900.
  • Kurz vor der Wende zum 20. Jahrhundert begann die Arbeiterklasse der Vereinigten Staaten, sich gegen die negativen Effekte des Kapitalismus zu wehren. Sie kämpfte für bessere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen und einen weniger anstrengenden Arbeitszeitplan. Sozialistisches Gedankengut wurde vorgetragen, welches die Arbeit als das wichtigste Produktionsmittel anführte und deren Ausbeutung durch Kapitalisten herausstellte. Wie der Erfolg des Pullman-Streiks bewies, ist die wirkungsvollste Waffe der Gewerkschaften ein Streik.
  • Die Stimmung der Tarifpartner war danach in den USA lange beeinträchtigt. Eine glänzende Analyse der Hintergründe des Pullman-Streiks gelang unter dem Titel „A Modern Lear“ Jane Addams, Mitglied eines Schlichtungsausschusses und sozial engagierte Politikerin. Sie konnte ihren Artikel jedoch erst 1912 publizieren.
  • Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Pullman-Streik aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.